Unterhaltung zwischen Pudeln und Damen

Selber Mäuschen

Kennst Du das Wort Toleranzrahmen?

Nun ist ja ein Rahmen nicht nur als Dekoration, sondern durchaus auch als Begrenzung zu sehen. Wenn man mal davon ausgeht, dass er nicht aus Gummi ist, ist es auch gar nicht so einfach, ihn zu erweitern.

Hin und wieder habe ich Anwandlungen, die ich durchaus schon mit dem Wort Altersmilde umschreiben möchte,  die mich unverhofft mit einem mir unvertrauten Maß an Großzügigkeit ausstatten und mich denken lassen: „ach, nun sei man nicht so“ und dann versuche ich mittelalte Damen mitsamt ihren Pudeln in meinen Toleranzrahmen zu quetschen. Aber es gelingt mir nur für kurze Momente, sie rutschen immer wieder raus – da kann ich mich noch so sehr bemühen.                                                                     Vielleicht ist das auch besser. Denn wenn ich diese Anwandlungen auf den Prüfstand stelle, fällt mir auf, dass ich dann, wenn ich Dame und Pudel reinkriege, ja nicht umhinkomme, das Fernsehprogramm, was ihnen zuliebe über den Schirm flimmert (wozu sonst sollte man einen Musikantenstadl produzieren), auch noch irgendwie mit reinzuquetschen. Markus Lanz würde  zukünftig  beim Sortieren  auf der anderen Seite landen……..(Näh……., das lehne ich ab). Und wenn der drin wäre, könnte ich die Bildzeitung auch noch hinterher schieben. Und wenn die dann drin wäre, käme  ich womöglich auf die Idee, Angela Merkel zu wählen.                                                                  Dann hätten wir den Salat.

Ist es das, was Du willst?                                                                                                      Das glaube ich nicht.

Du siehst also, dass Vergrößern des eigenen Toleranzrahmens ist nicht nur ein mühseliges Stück Arbeit, sondern auch nicht immer wirklich sinnvoll.  Also gönn mir meine kleinen Intoleranzen.Ich laufe ja schließlich nicht mit Transparenten durch die Gegend, auf denen stände, „Alle Damen, die mit Pudeln reden, RAUS AUS DEUTSCHLAND“.            Ich fordere mittelalte Damen auch nicht auf (Deinem Motto folgend: „Stell die Flasche weg, dann bist Du kein Alkoholiker mehr“) ihren  Pudel auf den Kleiderschrank zu stellen, sich  bei der VHS anzumelden,  eine Anzeige aufzugeben und  sich jemanden für eine Wohngemeinschaft zu suchen. “Schwuppdiwupp bist Du nicht mehr einsam!”

Aber:                                                                                                                                 Mittelalte Damen, die sich mit ihren Pudeln unterhalten, tragen ihre Gesinnung auf dem Gesicht. Punkt.                                                                                                                      Das ist ein Vorurteil.                                                                                                                 Ich weiß.                                                                                                                                  Das alleine ist der Grund, weshalb ich die Ohren spitze, wenn mir die Möglichkeit geboten wird, einer solchen Konversation zu lauschen.Ich möchte mir nämlich nicht irgendwann den Vorwurf machen müssen, mir sei entgangen, dass eine mittelalte Frau, die keine anderen Zuhörer fand als ihren Pudel, der einzige Mensch auf Erden gewesen sei, der klügstens durchdachte Ideen für eine Weltrevolution gehabt hätte, und nur weil ihr kein Mensch zugehört hätte, sei nun alles den Bach runter gegangen                                      Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste, das weiß ich sehr wohl.

Ja, es stimmt, nicht jeder Alki verschwindet bei mir so schnell in der Schublade wie die Pudeldamen Nicht, weil ich besoffene Leute so toll finde, sodern weil weder politische Eistellungen, noch Vorlieben für ein bestimmtes Fernsehprogramm nach Schnaps stinken.                                                                                                                                  Und wenn man so vorgeht  wie Du, läuft man Gefahr, einen Ernest Hemingway, Charles Bukowsky, Horst Janssen oder gar einen Jim Morrison verschwinden zu lassen. Na gut, Horst Janssen hätte meinetwegen rein können, man hätte die Schublade ja hin und wieder ein kleines Stück öffnen können. Nur so weit, dass ein paar Zeichnungen durch gepasst hätten.                                                                                                                                        Drehst Du das Radio ab, weil Amy Winehouse angekündigt wird? “Da war doch was. Ach ja, die hat gesoffen.”                                                                                                                  Aber sobald ich höre::  “Und jetzt das Duo, was Helene Berg von der Spitze der Hitparade verdrängt hat, freut Euch auf mittelalte Dame und Pudel!” Da bin ich weg. Du kannst ja bleiben.                                                                                                                                  Wenn ich mir vorstelle, ich wäre 20 und säße mit Jim Morrison am Strand, dann würde ich vielleicht sagen: „Kannst Du mal ’n Kaugummi kauen, Deine Fahne nervt“, aber die Schublade mit den Pudeldamen bliebe zu.                                                                          Ich wusste  gar nicht, dass die oben erwähnten Herren tätowiert und obendrein Pitbullhalter waren. Naja, ich hab sie ja nie nackt gesehen. Vielleicht trugen sie  ein rotes Feuerwehrauto auf der linken Arschbacke. Und die Pitbulls müssen sie wohl alle zu Hause eingesperrt haben, bevor sie sich fotorafieren ließen.                                                        Man lernt nie aus.

Bevor Du Dich in Sachen Toleranz und Vorurteile als Vortragsreisende auf die Socken machst, solltest Du die ein oder andere Formulierung noch mal unter die Lupe nehmen..

Fühle Dich von meiner Toleranz umarmt

Frau Watler