Der Buddhistische Himmel

Moin Frau Staldorf,

aber klar doch, gar kein Problem. Warte, ich mach mir eben schnell einen Kaffee und dann geht’s los………….

Mist, meine Kaffeemaschine ist kaputt.                                                                              Und ohne Kaffee kann ich solche Fragen nicht beantworten, zumal ich momentan in einer ganz anderen Richtuing unterwegs bin.                                                                            Denn neben der Frage, wie denn wohl das Leben in dieser schönen neuen Welt, mit all diesen großen bunten Verpackungen, die wesentlich mehr Inhalt versprechen, als tatsächlich beherbergen, unter Einhaltung des siebenundzwanzigsten Gebotes, was da lautet: ’Du sollst nicht aus dem Fenster springen’, abzuarbeiten sei, beschäftigt mich derzeit auch die Frage, wie man denn die Zeit nach diesem Tag X, an dem man diese ermüdende Aufgabe endlich bewältigt haben wird, planen könnte, ohne dann wieder in einem ähnlichen Schlamassel zu landen.

Ich dachte, ich hätte das in meinem Kopf eigentlich soweit klar, aber dann geschah etwas, was meine sämtlichen Planungen über den Haufen warf. Habe nämlich heute erfahren, dass fluchende Leute nicht in den buddhistischen Himmel kommen. Dabei hatte ich den für mich vorgesehen. Immerhin trage ich seit Jahrzehnten jedes Insekt, was sich in meine Wohnung verirrt hat, wieder nach draußen, anstatt es zu zerdätschen oder im Staubsauger einen qualvollen Tod sterben zu lassen. Und nun?  Alles umsonst! Denn Buddha davon zu überzeugen, dass ich ein nicht fluchender Erdenbürger gewesen bin, dürfte selbst mir schwer fallen. Ich weiß nicht, wer das Fluchen erfunden hat, ich könnte es ganz sicher gewesen sein. Und jemanden beschimpfen darf man wohl auch nicht. Irgendwie muss ich das alles überlesen haben!
Was mach ich denn nun? Ob es noch reicht, wenn ich jetzt damit aufhöre?

Und was fällt denn alles darunter, kann mir das mal einer sagen?
Wenn ich zu meinem Sohn sage:  „Wann willst Du denn den Biomüll runter bringen? Dann, wenn er so richtig stinkt und die Maden sich fühlen wie im Speck?” und er sich, obwohl es sich doch um eine ganz normale Frage handelt, beschimpft fühlt – ist das dann tatsächlich eine Beschimpfung? (Wohlgemerkt, ich gehe erst dazu über, die Frage: “wann bringst Du den Biomüll runter?”, zu verlängern, wenn er bereits dreimal geantwortet  hat:  „Mach ich gleich.” und ich mir nicht mehr anders zu helfen weiß. Das möchte ich an dieser Stelle betonen, nicht dass Du diesen Punkt zum Themenwechsel nutzt und mir vorwirfst, ich sei eine üble Mutterziege).
Oder, wenn ich zu jemandem sage: “Das hast Du aber richtig fein gemacht”, und sein Gehirn diesen Satz dann aber übersetzt und am Ende: “Der Weltmeister der Schwachköpfe hätte das sicher nicht besser hingekriegt.” herauskommt. Hat er dann das Problem, weil er übersetzt hat, oder behalte ich den schwarzen Peter? Einen Prozess würde ich sicher gewinnen, aber den großen Vorsitzenden der Buddhisten werden die Kriterien, die ein irdisches Gericht bei einer Urteilsbegründung zugrunde legt, sicher wenig kratzen.
Oder wenn ich mich völlig überfordert fühle, weil ich gerade einen Kaffee über mein Buch geschüttet habe,  dringend zur Toilette muss und währenddessen gleichzeitig das Telefon und die Türklingel schrillen und ich dann brülle: “Da wird doch der Hund in der Pfanne verrückt!” ist das dann Fluchen?

Nachbarin Carla meint, das mit dem Hund in der Pfanne geht noch, aber wer ist schon Nachbarin Carla, um solche Fragen zu entscheiden.

Du siehst, ich stecke in Schwierigkeiten.
Kannst Du mir nicht eine Liste ausarbeiten, in der genauestens aufgeführt ist, was ich darf und was nicht? Bitte wissenschaftlich abgesichert, ansonsten taugt das ja alles nichts.
Vielleicht sollte ich allerdings auch noch schnell auf die Katholiken umbuchen. Da reicht es ja wohl, wenn man bereut. Ist bestimmt einfacher, da ein Mal in der Woche hinzulaufen und zu bereuen, als auf Dauer meine Klappe zu halten.
Findest Du nicht auch, dass die Buddhisten unangemessen anspruchsvoll sind? Insekten raus tragen, jede Pflanze achten und dann noch nicht mal fluchen dürfen, wenn man versehentlich gerade mal wieder auf eine getreten ist. Ich finde dass ist ganz schön viel.

Schlaf schön

Watler

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