Katzen auf Entzug

 

Guten Tag,

inwiefern ruft denn die Unterstützung einer Raucherin beim Entzug Deine mühsam gebunkerte Co-Abhängigkeit auf den Plan?

Ich dachte immer, Co-Abhängigkeit ist dann im Spiel,  wenn Frauen nachts um drei per Anhalter von Hamburg nach Malmö fahren, um Kleingeld für den Zigarettenautomaten zu besorgen oder (für den Fall, dass es einen solchen vor Ort nicht geben sollte) in Kioske einbrechen, nur um ihrem Göttergatten eine qualvolle Nacht ohne Rauchwaren zu ersparen. Oder wenn Mutti dem Säufer-Papi noch schnell ein frisches Hemd bügelt, um zu verhindern, dass die böse Welt auf unerwünschte Gedanken kommt, weil Papi das Hemd, was Mutti ihm gestern gebügelt hat, noch mal schnell voll gekotzt hat

So oder so ähnlich stellte ich sie mir vor, die Co-Abhängigkeit Und nun kommst Du und erzählst mir, dass Mann /Frau sich in Gefahr begibt, sich als Co-Abhängige/r zu betätigen, wenn er/sie Menschen beim Entzug unterstützt.(Jetzt komm mir nicht mit den vier Monaten! Dass ich Überlegungen anstelle, meine Rauchfreiheit auf vier Monate zu begrenzen, (weil mein liebloses persönliches Umfeld mich ja permanent beschimpft und in keiner Weise bereit ist, mich zu unterstützen), weißt Du erst seit einigen Tagen, das kannst Du also nicht als Begründung für Dein schofeliges Verhalten anführen).

Ich glaube, was Du erreichen willst, ist, dass Menschen zu dem Schluss kommen, dass man Raucher nie unterstützen sollte. Wenn sie rauchen ja sowieso nicht, wenn sie nicht rauchen aber auch nicht. Wahrscheinlich noch nicht mal dann, wenn sie sich  voller Verzweiflung von der Köhlbrandbrücke gestürzt und nur durch ein Wunder überlebt haben. Wahrscheinlich noch nicht mal dann, wenn das Wunder nicht geschehen ist und sie bei diesem Sprung vor die Hunde gegangen sind.

Nun kann ich ja verstehen, dass die Abhängigkeit eines Menschen (wovon auch immer) für sein Umfeld, unter Umständen, recht anstrengend sein kann. Aber das ist ja nicht nur so, wenn es sich bei diesen Abhängigen um Raucher handelt.

Soll ja auch Leute geben, die sich von Katzen abhängig machen. Gut, viele von denen sind wie Raucher. So wie die nicht ohne ihre Zigaretten sein mögen, so mögen sie nicht ohne ihre Katzen sein. Das ist dann ja auch in Ordnung. Nun gibt es aber eine andere Gruppe, die sehr wohl ohne ihre Katze sein mögen. Sie fahren in Urlaub und vergießen keine Träne des Trennungsschmerzes, denn im Grunde genommen sind ja nicht sie von ihren Katzen abhängig, sondern sie haben die armen Viecher von sich abhängig gemacht. Sind womöglich noch stolz darauf, dass sie nicht so abhängig sind, wie ihre rauchenden Freunde und kleben sich auch noch das – durchaus gesellschaftsfähige –  Attribut: Katzenliebhaber an’s Revers. Ja, ja, sie lieben ihr Kätzchen! Sie lieben es so sehr, dass sie ihm jeden Wunsch von den Augen ablesen. Hat Katze gerade Mal keinen großen Hunger, so vermutet Frauchen, dass das Mahl aus irgendeinem Grund nicht zu Katzes Zufriedenheit ausgefallen ist, entfernt den Napfinhalt und sorgt schleunigst für eine Alternative. Möchte Katze nach draußen, braucht sie sich nur vor die Tür zu setzen und kurz Laut zu geben, schon kommt Frau angelaufen und öffnet die Tür. Stellt Katze, kaum dass sie die Wohnung verlassen hat, fest, dass sie ja eigentlich doch gar nicht nach draußen möchte, reicht es, sich dieses Mal auf die andere Seite der Tür zu setzen und ein wenig lauter bemerkbar zu machen, um zu erreichen, dass Frauchen (Männchen machen nicht soviel Theater) sogleich wieder angelaufen kommt und die Tür wieder öffnet. Hat Katze einen besonders unentschlossenen Tag, lässt sich dieses Spiel beliebig oft wiederholen. Es dauert nicht lange, und schon reift in Katze die Erkenntnis, dass sie einen Butler hat. Kindern, die so aufwachsen, wird der Glaube, sie seien ein Prinz oder eine Prinzessin im Kindergarten oder in der Schule wieder genommen. Katze besucht aber ja weder das eine noch das andere.Gut, bei den Menschen, die von ihren Katzen abhängig sind, ist das egal. Die sind wie Raucher. Kein Raucher zwingt seine Freunde, seine Zigaretten zu rauchen und kein Katzen-Abhängiger wird auch nur einen Tag ohne sein Haustier sein wollen und daher wird er auch nie Menschen aus seinem Umfeld nötigen, (während er sich die malledivische Sonne auf den Bauch scheinen lässt), für seine blöde Katze den Butler zu spielen.

Das tun nur Leute der zweiten Gruppe (siehe oben: nicht sie selbst sind abhängig…) Diese Leute haben für ihr Umfeld eine fatale Wirkung. Schlimmer als es die eines rauchenden Freundes jemals sein könnte. Denn wenn sie in Urlaub fahren möchtet, wenden sie sich mit der Bitte, das Kätzchen mal eben zu versorgen, an eine gute Freundin (hab noch nie einen Mann getroffen, der mir erzählt hätte, dass er gerade eine vorübergehend verwaiste Katze versorgen müsste). Sie quälen sich im Urlaub nicht mit Entzugserscheinungen herum. Was sie nicht bedenken ist, dass aber ihre arme Katze unter solchen und diversen anderen neurotischen Erscheinungen leidet.

Katze möchte natürlich in Zeiten, in denen Frauchen im Urlaub ist, auf ihre lieb gewordenen Gewohnheiten nicht verzichten, und erwartet mit größter Selbstverständlichkeit, dass auch die Freundin dem Rechnung trägt..Aber nicht nur das. Da Katze entsetzt feststellt, dass ihr persönlicher Butler ihr abhanden gekommen ist und sie nicht sicher sein kann, dass ihr Lebensstandard auf Dauer keinerlei Einschränkungen erfahren wird, überfällt sie tiefe Trauer und Existenzangst. Sie klammert sich folglich an die Freundin ihres Butlers und macht ihr klar, dass nur 24stündiges Streicheln ihren Schmerz ein wenig lindern kann. Nun kommt es ja vor, dass auch Katzenbetreuer noch vereinzelt  anderen Pflichten nachkommen müssen, was dazu führt, dass Katze je nach Möglichkeiten in der Wohnung, im Garten und für den Fall, dass der Ersatzbutler vergessen haben sollte, die Balkontür zuzumachen, auch mal mitten in der Nacht vom Balkon aus, ausgiebige Konzerte veranstaltet, die unter dem Oberbegriff: “Klagelieder” sicher gut zusammengefasst werden können.

Wer nun meint, die Menschen, die in solchen Nächten in Massen durch die Straßen strömen, täten das, weil sie sich der Magie eines solchen Konzertes nicht entziehen könnten, irrt. Zwar sind die Katzenkonzerte der Grund, weshalb sie mitten in der Nacht den Schlafanzug wieder gegen die Straßenklamotten tauschen, aber der einzige Gedanke, der sie antreibt, ist der, jemanden zu finden, den sie für das, was sie als ruhestörenden Lärm empfinden, zur Verantwortung ziehen können. Kein Mensch läuft zu ‘ner Katze und sagt: “Mach mal Deine Musik leiser.” Nein, man sucht nach einem Menschen, dem man gehörig die Leviten lesen kann. Was meinst Du wohl, wer der- oder diejenige  sein könnte, die sich mitten in der Nacht dem geballten Volkszorn gegenüber sieht? Ganz genau! Es ist die liebe Freundin.

So schließt sich der Kreis. Ich wusste schon mit siebzehn, dass Raucher den angenehmeren Teil der Menschheit verkörpern. Um zu diesem Teil zu gehören, habe ich schließlich angefangen zu rauchen.

Raucher ohne Haustier. Wenn ich Freunde per Zeitungsanzeige suchen würde, stände der Satz drin. Lieber ‘ne jaulende Raucherin, als ‘ne jaulende Katze!

MfG

Frau Watler

 

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